Die Zahlen 5 und 11 spielen in der Fastnacht eine besondere Rolle, dabei ist die Zahl 11 die eigentliche Narrenzahl. Wie es dazu kam, lassen nur einige überlieferte Deutungen zu:

Bei  5 -  wie oben erwähnt - die 5. Jahreszeit,
- Narren stellen Ordnung und Gesetz auf den Kopf und lassen  „ fünf  gerade sein ! “

Bei 11 - Bewußte Übertretung der Gesetze - nach dem 10. Gebot kommt das 11. Gebot = Narretei,
- § 11 =  eigenes Gesetz des Narrentums,
- 1 neben 1 =  Gleichberechtigt mit der Obrigkeit,
- Elferrat =  Komitee=Elf Narren die so töricht sind, daß einer dem andern die Wahrheit sagt,
- Elferkappe =  Narrenkappe - Sinnbild der Gleichheit Aller unter der Narrenkappe,
- Elfer-Messe =  18. Jahrhundert im Wirtshaus - närrisches Gegenstück zum 11-Uhr-Gottesdienst,
- 11/22/33 usw. =  als Gegenstück zu gesetzlichen Jubiläumszahlen wie 10/25/50/75/100,
- 11 x 11 = höchster fastnachtlicher Rang,
- 11.11. = Datum zur Vorbereitung der 5.Jahreszeit

Rosenmontagswagen aus der Vorkriegszeit vor der evangelischen Kirche

In Seligenstadt wird  „ Fastnacht “ gefeiert,  aber wie aus alten Schriften und Dokumenten zu ersehen ist, ( z.B. im Fastnachtsmuseum Seligenstadt) war früher auch der Begriff  „Carneval“ hier sehr heimisch, dies ist meiner Meinung nach auf die geographische Lage Seligenstadts (früher das fränkische Seligenstadt) zurückzuführen, der „Carneval“ hier mit seinem rheinischen Einfluß, bedingt durch die lange Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz und die „Fastnacht“ mit ihren fränkischen Einflüssen, durch das angrenzende Franken mit dem Bistum Würzburg.
Schon aus dem 16. und 17. Jahrhundert werden fastnachtliche Umtriebe und Bräuche beschrieben.
   
In Geschichtsbüchern alter Städte ist zu lesen, daß sich Bürger um 1848 die Freiheit nahmen, der gestrengen Obrigkeit, unter der Maske des Narren, öffentlich die Meinung zu sagen. Vieler Orts, so auch bei uns in Seligenstadt, entstand aus dem Maskentreiben von verkleideten und vermummtem Volk ein Maskenzug. Der erste urkundlich nachweisbare große Fastnachtszug in Seligenstadt war im Jahre 1859. Hier gestaltete die Gesellschaft der Freunde einen Fastnachtszug unter dem Motto „Der Freischütz“, der auf einem  „Leporello“ gezeichnet, in der Reihenfolge des Zuges alle Motivwagen und Gruppen bildlich darstellt.