Peter Kappen

Ein großer Sohn unserer Stadt, Dr. Peter Rhabanus Kappen, verstarb plötzlich am 11. Oktober 2019 im Alter von 86 Jahren.

Er pflegte Traditionen und residierte in seinem von ihm in Ehren gehaltenen Elternhaus in der Bahnhofstraße 9. Die Freude an schönen Dingen, Musik, Tausenden Büchern, wertvollen Stichen, Gemälden und Sammlungen kommt in jedem Raum seines Jugendstilhauses zum Ausdruck. Er war Vater dreier Kinder Veit, Patrissa und Lorenz, die 1971, 1972 und 1974 zur Welt kamen. Den Tod seiner Frau Lisa im Jahr 1996 hat er nie überwunden.

Es gab auch viele freudige Momente in Dr. Peter Kappens ereignisreichem Leben, so seine närrische Regentschaft im Jahr 1967 mit Prinzessin Christa Beike im Schlumberland und seine unvergessenen Auftritte als Turmmännchen. Für seinen langjährigen und bestimmenden Einsatz als aktiver Fastnachter bekam er das Goldene Vlies vom Heimatbund verliehen und trug es gern bei passenden Anlässen.

Er war dafür bekannt, stets mehr zu tun als er musste. Nach seinem Studium in Freiburg und Würzburg arbeitete Dr. Kappen nach der Zulassung als praktischer Arzt im Jahr 1966 zunächst in Praxisgemeinschaft mit seinem Vater Dr. Karl Kappen. Als Arzt für Allgemeinmedizin leitete er von 1970 bis zu seinem Ruhestand 2001 seine eigene Praxis an der Bahnhofstraße. Daneben war er von 1979 bis 2001 als Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt tätig. In Großbetrieben, unter anderem im Offenbacher Pressehaus, wirke er als viele Jahre als Betriebsarzt und gern gesehener Gesundheitsberater. Dr.Kappen engagierte sich in der ärztlichen Selbstverwaltung und war bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen als Mitglied, Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender aktiv. Von 1973 bis 2001 fungierte er zudem als stellvertretender Vorsitzender und Delegierter zu Hauptversammlungen des Hartmannbundes im Landesverband Hessen. Ihm wurde 1996 die Hartmann-Thieding Medaille des Hartmannbundes zuteil. Der Hartmannbund ist ein Verband der Ärzte in Deutschland, ähnlich organisiert, aber nicht so bekannt wie der Marburger Bund.

Darüber hinaus hat sich Dr. Peter Kappen herausragende Verdienste um die Heimat- und Brauchtumspflege erworben. So war er von 1987 bis 1991 stellvertretender Vorsitzender und anschließend bis 2005 Erster Vorsitzender des Heimatbundes, der Dachorganisation aller Vereine, und vertrat damit die Interessen von damals 60 Vereinen mit 15000 Mitgliedern.

Unter seinem Vorsitz feierte die Stadt kulturelle Großveranstaltungen, wie das alle vier Jahre stattfindende Geleitsfest und das Altstadtfest. Mit großem Nachdruck hat er sich für den Bau der ,Wagenbauerhalle" eingesetzt. Dort haben sowohl die historische Kutschensammlung als auch der im Besitz des Heimatbundes befindliche Fundus historischer Kostüme, der zu den größten in Deutschland gehört, ihren Platz gefunden.

Dr. Peter Kappen war 1989 Mitbegründer der "Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt", die anlässlich des Geleitsfestes die "Löffeltrinker" aussucht und kürt. Als "Löffelmeister" nahm er dort eine bedeutende Stellung ein. Als einer der Initiatoren und ersten Stifter war er maßgeblich an der Gründung der Einhard-Stiftung (1998) beteiligt. Kappen warb zahlreiche Unterstützer für diese Bürgerstiftung, die den Zweck hat, die Idee der europäischen Einigung auf der Ebene einer traditionsreichen Stadt anschaulich darzustellen, um so die gemeinsamen historischen Wurzeln der europäischen Nationen in Erinnerung zu rufen. Der Stiftungszweck wird verwirklicht durch die Vergabe eines nach Einhard benannten Literaturpreises, mit dem herausragende Biographien ausgezeichnet werden.

Dr. Kappen war viele Jahrzehnte lang in zahlreichen hiesigen Vereinen aktiv und passiv engagiert und wurde insbesondere von den Sportfreunden für seine 70-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Für sein Engagement und seine Verdienste wurde Dr. Peter Kappen im Juli 2009 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er war über Jahrzehnte passionierter Jäger, leidenschaftlicher Genießer und wusste gute Weine zu schätzen und sensorisch bestens einzustufen - eine seiner Leidenschaften, die er als Ehrenmitglied mit der zweitältesten Weinbruderschaft im deutschsprachigen Raum, "Collegium Vinum von 1676" in geselliger Runde teilte.

Die dankbare Erinnerung an den großen Seligenstädter wird immer fortleben.      (aus "Der Seligenstädter", Ausgabe 11-2019, Text von Rudi Rack)

Traueranzeige Peter Kappen

 
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